Altbau Gründerzeit & Zwischenkrieg
Altbausanierung in Wien
Hohe Räume, Fischgrätparkett, Flügeltüren – und dahinter oft Leitungen aus einer anderen Zeit. Eine Altbausanierung verbindet beides: erhalten, was die Wohnung ausmacht, und erneuern, was heute nicht mehr reicht.
Kurz gesagt
Wiener Altbauwohnungen – vor allem aus der Gründerzeit (etwa 1848 bis 1918) – haben oft Holzbalkendecken, Vollziegelmauerwerk, Kastenfenster und eine veraltete Elektrik. Bei der Sanierung geht es darum, die Substanz richtig einzuschätzen, die Haustechnik zu erneuern und die Gestaltungselemente nach Möglichkeit zu erhalten. Die Elektrik ist dabei häufig der größte technische Erneuerungsbedarf.
01 Bestand
Was wir in Wiener Altbauwohnungen häufig vorfinden
Nicht jede Wohnung hat alles davon. Aber diese Punkte prüfen wir bei jeder Besichtigung.
Leitungen ohne Schutzleiter
Zweiadrige Leitungen mit „klassischer Nullung“, Schraubsicherungen, kein Fehlerstromschutzschalter, zu wenige Stromkreise für Küche und Bad. Das lässt sich nicht nachrüsten, ohne Leitungen zu erneuern.
Holzbalken- und Dippelbaumdecken
Tragfähigkeit, Schallschutz zur Nachbarwohnung und der Zustand der Balkenköpfe sind bei neuen Böden, schweren Fliesenbelägen oder Estrich mitzudenken. Eingriffe in tragende Teile gehören in die Hände eines befugten Planers.
Vollziegel & alter Putz
Gemischtes Mauerwerk, hohl liegender Kalkputz und teils feuchte Bereiche. Schlitze für Leitungen brauchen hier mehr Sorgfalt, und nicht jeder moderne Putz passt auf den alten Untergrund.
Kastenfenster
Oft überarbeitbar statt zu tauschen. In Schutzzonen und bei denkmalgeschützten Häusern gelten für Fenster und Fassade zusätzliche Vorgaben – vorher abklären.
Alte Leitungen & Stränge
Steigleitungen und Fallstränge gehören zum Haus. Alte Wasserleitungen in der Wohnung prüft der Installateur; im Altbau können auch Bleileitungen vorkommen.
Durchgangszimmer & Gangküche
Hintereinanderliegende Zimmer und kleine Küchen zum Gang sind typisch. Grundrissänderungen sind möglich, berühren aber oft tragende Wände – und damit Statik und Behörde.
02 Erhalten oder erneuern
Der Charakter bleibt, die Technik wird neu.

Meist lohnend zu erhalten
- Parkett: Fischgrät- oder Tafelparkett lässt sich oft abschleifen, ausbessern und neu versiegeln.
- Kassettentüren und Beschläge: überarbeiten statt ersetzen, wenn Rahmen und Füllungen intakt sind.
- Stuck und Deckenprofile: sorgfältig schützen, wenn darunter oder daneben gearbeitet wird.
- Kastenfenster: überarbeiten und abdichten, wo es Zustand und Vorgaben erlauben.
Meist zu erneuern
- Elektroinstallation: neue Leitungen mit Schutzleiter, neuer Verteiler mit Fehlerstromschutz, ausreichend Stromkreise.
- Wasser- und Abflussleitungen in der Wohnung, besonders bei alten Materialien.
- Bad und Küche inklusive Abdichtung und Anschlüssen.
- Hohl liegender Putz und schadhafte Untergründe.
Welche Variante in Ihrer Wohnung sinnvoll ist, entscheiden Zustand und Budget. Wir sagen Ihnen bei der Besichtigung ehrlich, wo sich der Erhalt lohnt – und wo er nur teurer wird.
03 Elektrik im Altbau
Was eine neue Elektrik im Altbau bedeutet
Im Altbau ist die Elektrik selten ein Detail. Neue Leitungen bedeuten Schlitze in Ziegel und Putz oder Leitungsführung in Vorsatzschalen und Böden – und deshalb einen festen Platz früh im Bauablauf.
Für das Errichten elektrischer Niederspannungsanlagen gilt in Österreich die Errichtungsbestimmung OVE E 8101, die über die Elektrotechnikverordnung 2020 verbindlich ist. Eine neu errichtete oder wesentlich geänderte Anlage wird vor der Inbetriebnahme geprüft; das Ergebnis hält ein Prüfbefund fest. Diesen erhalten Sie mit der Übergabe.
Was wir klären, bevor wir planen:
- Wie sind Zählerplatz und Steigleitung ausgeführt, und reicht die verfügbare Leistung?
- Welche Geräte kommen dazu – Induktion, Durchlauferhitzer, Klimagerät, Wallbox im Haus?
- Wo sollen Steckdosen, Netzwerk und Licht in den hohen Räumen sinnvoll sitzen?
Mehr zu unseren Elektroleistungen unter Leistungen.
04 Häufige Fragen
Altbauwohnung sanieren
Woran erkenne ich, dass die Elektrik im Altbau erneuert werden muss?
Typische Hinweise sind Schraubsicherungen, kein Fehlerstromschutzschalter im Verteiler, Steckdosen ohne Schutzkontakt, Stoff- oder zweiadrige Leitungen und Sicherungen, die bei mehreren Geräten auslösen. Eine verlässliche Aussage gibt erst eine Überprüfung vor Ort.
Kann ich das alte Parkett behalten?
Oft ja. Ob sich Abschleifen und Ausbessern lohnt, hängt von der Restdicke der Nutzschicht, Schäden und dem Unterboden ab. Wenn unter dem Parkett Leitungen verlegt werden sollen, planen wir die Leitungsführung so, dass möglichst wenig geöffnet werden muss.
Darf ich in einer Altbauwohnung Wände entfernen?
Nichttragende Wände häufig schon, tragende nur mit statischer Beurteilung und gegebenenfalls Bewilligung. Im Wiener Altbau ist nicht immer sichtbar, welche Wand trägt. Das klärt ein befugter Planer bzw. Statiker; die Behörde ist in Wien die Baupolizei (MA 37).
Ist eine Altbausanierung teurer als eine Neubauwohnung?
Häufig ja, weil Untergründe, Decken und Leitungen mehr Aufwand verursachen und sich manches erst beim Rückbau zeigt. Auf der Seite Kosten & Förderung erklären wir die wichtigsten Kostenfaktoren.